Challenge Roth 2011

„Was hast Du Dir vorgenommen?“ – „Ich will 9.30h angehen – wenn alles optimal läuft, könnte das klappen“ – leicht skeptisches Nicken.

So sah die kurze Unterhaltung aus, die ich Sonntag früh noch kurz vor dem Start in der Wechselzone mit meinem Coach Arne geführt habe. Vorneweg: es lief besser!

Vorspiel

Angereist sind wir am Freitag. Das Trainingsgespann Weidner – Rauch machte sich bereits vormittags auf dem Weg nach Roth, weil wir die Radstrecke nochmal mit dem Auto abfahren wollten und das ganze Organisatorische erledigen, ohne große Wartezeiten bei unseren reizenden Begleiterinnen zu verursachen. Die zwei Sabrinas kamen erst am späten Nachmittag nach und hatten auf der Autofahrt auch Ihren Spaß.

Die Streckenbesichtigung war nochmal eine gute Sache. Sowohl Auf- als auch Abfahrt zum- bzw. vom Kalvarienberg mit dem Auto waren respekteinflößend – für den Kopf war das nochmal wichtig. Außerdem blieben ein paar Stellen mit kritischen Unebenheiten und Bodenwellen im Kopf.

Das Hotel hatte Steffen für uns organisiert – ein echter Glücksgriff: Etwas außerhalb und sehr ruhig gelegen, ein total sportverrückter Wirt und sehr schöne Zimmer waren ein gutes Basislager.

Samstag haben wir nach dem Frühstück eine kurze Vorbelastung gemacht und dann die Radabgabe in Angriff genommen. Was ich bei der Radabgabe erlebt habe, ist aber einen eigenen Artikel wert.

Der Nachmittag und Abend wurde dann mit Entspannungsmaßnahmen und letzter Nahrungsaufnahme gefüllt – um 21.00h ging das Licht aus.

Schwimmen

Bis zum Schwimmstart lief alles recht routiniert und ohne größere Probleme ab. Die Orientierung auf dem Schwimmkurs ist sehr einfach, weil man sich immer sehr gut am Ufer des Kanals orientiern kann. Leider fiel es mir etwas schwer, die passenden Vorderfüße zu erwischen. Ich hätte am Anfang wohl doch härter anschwimmen müssen, um dann in einer Gruppe mitzuschwimmen, bei der ich gerade so im Wasserschatten bleiben kann. So war es mir hinter den Füßen meiner Mitschwimmer zu langsam, aber nach vorne schwimmen ging auch nicht. Gegen Ende kamen dann die schnellen Frauen, die 5 Minuten nach mir gestartet waren vorbei und da hab ich dann ein paar schnelle Vorderfüße gefunden, an denen ich bis zum Ausstieg dran bleiben konnte.

Alles in Allem war das Schwimmen wenig spektakulär und verlief auch zeitlich genau so, wie ich es mir vorher gedacht hatte. Mit einer geschickteren Einteilung wäre es vielleicht noch 1-2 Minuten schneller gegangen, mit der Auftaktdisziplin war ich aber beim Ausstieg zufrieden.

Radfahren

Der Wechsel zum Radfahren verlief sehr schnell. Mein Rad stand direkt vor dem Ausgang auf die Radstrecke. Das hatte den Vorteil, dass ich in der Wechselzone nur sehr kurz schieben musste. Die Socken hab ich aus dem Wechselbeutel mit ans Rad getragen und erst dort angezogen, weil die Wiese noch nass war und ich nicht schon mit nassen Füßen starten wollte.

In der erste Radrunde hab ich mich am Anfang immer wieder eingebremst. Nach einer halben Stunde ging es dann mit „Riegelfressen“ los: Alle 30 Minuten gabs einen kompletten High5 Riegel – das sollte mit ingesamt 6 Riegeln passieren. Als dann aber der vierte Riegel in den Magen kam, hat der sich wohl gedacht: „Ganz schön eng hier!“ und unvermittelt den „Rückwärtsgang“ eingelegt. Ich war dann etwas verunsichert, wieviel Treibstoff ich so verloren hatte und musste die Verpflegungsstrategie kurzzeitig umstellen: Es gab erstmal keine Riegel mehr und ich bin etwas früher zum Gel übergegeangen. Ich hatte mich von dem kleinen Zwischenfall recht schnell erholt und es ging mit unverminderter Reisegeschwindigkeit von ca. 36 km/h weiter.

Nach drei Stunden Radzeit musste ich dann mal einen kleinen Boxenstopp einlegen und kurz darauf bekam ich richtig Probleme mit dem Bauch. Meine schlimmsten Wettkampferinnerungen haben genau mit diesen Stichen in der Magengegend ihren Anfang genommen. Und jetzt war ich gerade mal im letzten Drittel der Radstrecke. Ich hab mich daran erinnert, dass Probleme mit dem Magen zu 98% auf Wasser- oder Salzmangel zurückzuführen sind. Wasser hatte ich eigentlich genug getrunken, also konnte es nur ein Problem mit der Salzversorgung sein. Nach 5-6 Schwedentabletten ging es mir schnell wieder besser und innerhalb von ein paar Minuten war wieder alles im grünen Bereich. Von Bauchkrämpfen und Angstausbrüchen vor dem zu laufenden Marathon keine Spur mehr.

Die Radrunde konnte ich dann noch recht zügig zu Ende fahren und mit einer Radzeit von unter 5h Stunden auch schon ein erstes Teilziel erreichen.

Laufen

Nach dem Wechsel in Laufschuhe war erst wieder Bremsen angesagt. Ich musste mich wirklich zwingen, die Schritte kürzer zu ziehen und die Frequenz kürzer zu machen, um nicht einen 4er Schnitt loszulaufen. Nach ca. 2 km hatte ich mein angestrebtes Marathontempo von 4:40 min/km dann einigermaßen erreicht. Der Blick auf die Pulsuhr zeigte mir, dass alles im grünen Bereich war und so hab fortan nur noch in mich reingehört und bei den kleinsten Anzeichen von Seitenstichen sofort das Tempo reduziet bis es wieder besser ging. Diese Tatktik hat ganz gut funktioniert – hatte ein bisschen was von Balancieren auf einer Rasierklinge. Die Verpflegungsaufnahme mit Gels hat auch sehr gut funktioniert und ich bin erst bei km 30 zum Cola übergegangen. Hier hab ich dann auch schon langsam das Rechnen angefangen: „Wenn Du jetzt einen 5er Schnitt nach Hause läufst, dann sinds 9:27h!“ Ich musste mich dann ganz schön konzentrieren, konnte das Tempo aber immer noch konstant unter dem 5er Schnitt halten. Die letzten 7km waren dann noch sehr lang, aber am Ende einer Langdistanz muss das glaub ich auch so sein. Schließlich Zieleinlauf vor einem super Publikum nach 9:25h.

Hier die Fakten:

10.07.2011 Challenge Roth
3,8 km Schwimmen
Wechsel 1
180 km Radfahren
Wechsel 2
42,2 km Laufen
Gesamt
125. (AK 30.)
1:04:47 (Ø 1:42 min/100m)4:57:45 (Ø 36,4 km/h)3:18:25 (Ø 4:47 min/km)
9:25:06

Bilder kommen, sobald ich die von allen Fotografen eingesammelt habe.

Danke

Auch wenn ich alleine geschwommen, geradelt und gelaufen bin, hab ich das gute Ergebnis nicht mir alleine zuzuschreiben. Bedanken möchte ich mich bei allen, die mir an der Strecke oder am Livestream die Daumen gedrückt haben. Insbesondere an meine kleine Schwester Johanna, die keine Reisemühen gescheut hat um fürs Lohrer Echo die Berichterstattung zu übernehmen.Vielen Dank an Ute und Arne für die Betreuung bei der Trainingssteuerung: ihr habt mich auf den Punkt fit gemacht.An meinen Trainingspartner Michael, der mit seinen beeindruckenden Leistungen in Training und Wettkampf mein größter Motivator ist.Der größte Anteil gebührt natürlich meiner Sabrina, die mir in der langen Vorbereitung den Rücken freigehalten und selbst auf viel verzichtet hat, mich immer wieder geerdet- und auch immer wieder aufgebaut hat, wenn es mal nicht so lief.