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IRONMAN Germany – Rennbericht

Samstag: Vorbelastung, Check-In, Odysee und Fußball

Am Samstag bin ich direkt um 07:00h zu meiner Vorbelastung gestartet: Erst 30 Minuten das Rad getestet und ein ein paar kürzere Antritte eingestreut und dann gleich im Anschluss noch 15 Minuten gelaufen, ebenfalls mit ein paar kurzen Steigerungen. Im Freibad war gleich nach dem Öffnen der Pforten um 08.00h die Hölle los – trotzdem war ich noch kurz schwimmen. Nach dem dann das Frühstück erledigt und die restlichen Sachen gepackt waren sind Sabrina und ich gegen 11 Uhr zum Langener Waldsee aufgebrochen um das Rad abzugeben. Vom Parkplatz aus muss man ca. 2km bis zur Wechselzone laufen, was bei den mittlerweile 35°C nicht unbedingt Spaß gemacht hat. Der Check-In ging relativ schnell von statten. Neu war dieses Jahr, dass es ein Fotoprotokoll gab: Der Veranstallter fotografierte jeden, Athleten zusammen mit seinem Bike, so dass beim Check-Out keine Räder mit den falschen Besitzern die Wechselzone verlassen können. Um uns den Rückweg zu erleichtern, stiegen Sabrina und ich an der Wechselzone in einen Pendelbus ein – in dem guten Glauben, dass wir damit zum Parkplatz kommen. Bis wir uns versahen, war der Bus aber schon auf der B44 Richtung Frankfurt unterwegs. Nach einem kurzen Schock disponierten wir einfach um: Wir wollten sowieso nochmal in die Stadt, weil um 12.00h noch ein Treffen mit meinem Coach und den anderern Teilnehmern aus meinem Coachingprogramm geplant war – und so konnten wir uns wenigstens die Parkplatzsuche sparen. Unerwarteterweise hat uns der Bus dann nur bis zum Rebstockgelände und nicht bis an den Mainkai gebracht. Also sind wir von da mit den öffentlichen Verkehrsmitteln weiter. Nachdem wir in der Stadt alles erledigt hatten und ich auf der Expo sogar noch neue Pads für meinen Auflieger bekommen hatte (Zitat von bike24.de: Profile verkauft die entsprechenden Pads in Deutschland nicht als Ersatzteile – jaja) wollten wir auf gleichem Weg wieder zurück zum Langener Waldsee zu unserem Auto. Am Rebstockgelände angekommen warteten wir kurz und der Sonderbus fuhr – an uns vorbei. Nach ein paar Telefonaten und einer mittlerweile recht aufgeladenen Stimmung (die Hitze und die Heerscharen von Fußballfans, die auf dem Weg zum Public Viewing wargen, taten ihr Übriges) haben zwei Damen angehalten, die die Abfahrt der Athletenbusse für den nächsten Morgen abchecken wollten. Die beiden haben uns dann netterweise in ihrem Auto mit zurück in die Stadt genomen, so dass wir vom Expo-Area aus einen anderen Pendelbus nehmen konnten. Mittlerweile lief auch schon die erste Halbzeit des WM-Viertelfinals Deutschland-Argentinen. Das 1:0 bekamen wir durch eine I-Phone App eines anderen Athleten mit. Vom Waldsee aus ging es dann mit dem Auto weiter nach Dreieichenhain zu Brian und Steffi, die uns wieder freundlicherweise aufgenommen haben. Zum Glück verlief das Spiel ziemlich kontrolliert so dass mich das wenigstens nicht noch mehr Nerven kostete :-). Direkt nach dem Spiel sind wir dann noch was Essen gegangen. Danach noch kurz ein paar Sachen vorgerichtet und um 21.30h ab ins Bett. Ich war doch ziemlich müde, so dass ich recht schnell fest eingeschalfen bin – anders als beim letzten mal, wo ich die ganze Nach vor lauter Aufregung kein Auge zumachen konnte 🙂

Sonntag: Pre-Race-Stress, Wellen, Wind, Hitze und Seitenstechen

Vor dem Start:

Der Plan war um 4:30 aufzustehen und um 5:15h loszufahren, so dass für den Weg zur Wechselzone und das Herrichten des Wechselplatzes noch genug Zeit blieb. Irgendwie war es dann doch schon kurz vor halb sechs bis wir losgekommen sind und um fast 6:00h bis wir auf dem Parkplatz waren. Auf dem Weg zur Wechselzone fiel mir ein, dass ich die am Vortag erworbenen Pads im Auto habe liegen lassen. Sabrina ist dann nochmal zurück und hat die Pads geholt während ich dann schon zügigen Schrittes zur Wechselzone gelaufen bin. Während ich noch mitten im Aufbauen war, brachte mir eine andere Athletin dann die Pads, die ihr Sabrina durch den Zaun gegeben hatte. Den ersten kleinen Adrenalin-Kick bekam ich, als ich meine Tube-Box mit der Radverpflegung befüllen wollte: die entsprechende Tüte mit den vorbereiteten Riegel, Gels und Amino-Ampullen war nämlich nicht da. Um nochmal ans Auto zu laufen blieb keine Zeit mehr, denn ich wurde von den Helfern schon aufgefordert, mich langsam im Startbereich einzufinden. Also suchte ich Sabrina am Zaun und bat sie, mir an einem Stand noch ein paar Riegel und Gels zu besorgen. Währenddessen brachte ich die restlichen Sachen in Ordnung. Dort draußen gab es aber keine Riegel, also hat Sabrina einem Helfer ein paar Euro in die Hand gedrückt und ihm gesagt, dass er damit zur Startnummer 298 gehen soll, damit ich mir im Wechselbereich noch ein paar Sachen besorgen kann. Das hat zum Glück noch alles geklappt, so dass ich dann doch mit voller Tube-Box starten konnte. Wäre da noch was schief gegangen, hätte mir bei den Verpflegungsstellen kein Fehler passieren dürfen. Mittlerweile waren es auch nur noch 15 Minuten bis zum Start und ich machte mich jetzt zügig auf dem Weg zum Wasser und traf dort pünktlich zur Nationalhymne ein. Das zeitraubende Anziehen des Neoprenanzugs blieb mir ja leider erspart.

Schwimmen

Für das Schwimmen hatte ich mir vorgenommen, locker anzuschwimmen weil ich damit im Kraichgau gute Erfahrungen gemacht hatte. Der Tumult am Anfang hatte sich recht schnell aufgelöst, so dass ich frei schwimmen konnte. Die Orientierung fiel mir zwischenzeitlich etwas schwer, weil die Bojen die gleiche Farbe wie die Badekappen in meiner Startgruppe (gelb) hatten. Aber im Großen und ganzen war das kein größeres Problem. Auf dem Rückweg in der ersten Schleife nahm ich auf einmal einen doch deutlich höheren Wellengang war – ich nehme dann, dass das vom mittlerweile gestarteten Hauptfeld ausging, das mir auf der anderen Seite der Schleife eingegen kam. Zu Beginn der zweiten Schwimmrunde hatte mich die erste rote Badekappe eingeholt – der schoß wie ein Torpedo an mir vorbei. Auf dem Rückweg von der zweiten Schleife kamen dann schon deutlich mehr Rote Mützen an mir vorbei. Die letzten paar hundert Meter gingen dann doch relativ schwer. Ich fand es hier auch wieder sehr wellig und hab auch einiges an Wasser verschluckt. Nach 1:15 Schwimmzeit war mir das Neoverbot dann auch egal. Ich schätze, dass das auf meine Schwimmzeit einen Aufschlag von 8-10 Minuten bedeutet. Für die besseren Schwimmer war das Neoverbot kein so großer Nachteil wie für mich wobei man wirklich sagen muss, dass das Wasser sehr warm war.

Radfahren

Auf dem Rad hab ich es zunächst sehr locker angehen lassen. In der ersten halbe Stunde wurde ich quasi nur überholt. Ich musste mich auf dem Stück vom Waldsee bis in die Stadt sehr zurückhalten – die Vorgabe nicht mehr wie 220 Watt zu treten war da wirklich etwas schwer umzusetzen. Die Zeit habe ich aber genutzt, das Versorgungsdefizit vom Schwimmen auszugleichen (mit 2 Gels und ein paar Schluck aus der Iso-Pulle). Der Straßenbelag auf der Rennstrecke in der Innenstadt gleicht meinem Geschmack nach einem Acker. Von Schlaglöchern, Kanaldeckeln, Straßenbahnschienen und Baustellen ist hier alles im Programm, was einem das liegen in der Aeroposition erschwert. Selbst bei der ersten Durchfahrt (also nach gut 10km) hab ich schon die ersten Schwämmchen aus den Profile-Aero-Flaschen auf der Straße liegen sehen. Mich hätte es ja ziemlich genervt, wenn mir für die nächsten 170 km das Isogesöff bei jedem Kanaldeckel (und davon kamen noch viele) über die Arme geschwappt wäre. Aber nicht nur im Stadtgebiet war der Zustand der Straßen mitunter kriminell. Sieht man von der Kopfsteinpflasterpasage in Maintal-Hochstadt ab, gibt es auch sonst viele heftige Schlaglöcher. Die ersten 70km habe ich mich strikt an die Vorgabe gehalten nie über 240 Watt zu treten. Sobald ich eine höhere Zahl auf dem SRM gesehen habe bin ich vom Gas gegangen. Auf dem Rückweg von Friedberg nach Frankfurt gab es dann Rückenwind, so dass es auf diesem Streckenabschnitt sehr gut lief. In der ersten Runde kam ich so auf eine Durschnittsleistung von 204 Watt. In der 2ten Runde bin ich dann engagierter gefahren. Ab diesem Zeitpunkt wurde ich dann auch quasi gar nicht mehr überholt. Bis auf dem Weg nach Bad Nauheim bin ich zwar (im legalen Rahmen) in einer Gruppe mitgefahren, in der es immer wieder mal Führungswechsel gab, aber auf dem Rückweg von Bad Nauheim nach Frankfurt hab ich von denen dann niemanden mehr gesehen. Auf der zweiten Runde hatte ich dann eine Durchschnittsleistung von 210 Watt so dass die Renneinteilung für diese Disziplin ziemlich optimal war. Bei der Leistungsdiagnostik am Mittwoch hatte mir Jürgen Sessner davon abgeraten auf eine Zeit von 5:10h zu fahren, aber mit seiner Vorgabe von 209 Watt habe ich jetzt sogar eine noch schnellere Splitzeit erreicht. Ich sag jetzt einfach mal, dass das für meine Aerodynamik spricht 🙂 Zum Wetter: Aus meiner Sicht war das alles viel besser als vorhergesagt. Es gab weder Regen noch empfad ich die Hitze als leistungsbeschränkenden Faktor. Da es auf dem Rad doch noch recht angenehm war, hatte ich mich auch dazu entschlossen, die volle Energiemengen zuzuführen anstatt einem wegen der Hitze um 5-10% reduzierten Ernährungsplan zu folgen.

Laufen

Beim Laufen war mein Plan für die ersten 15km keinen Kilometer schneller als 4:35 Minuten/km zu laufen. Wenn man aus der Wechselzone rauskommt, denkt man bei dem Tempo erstmal, dass man steht. Vor allem weil alle anderen um einen herum viel schneller laufen. Der erste Kilometer war dann zwar doch etwas zu schnell aber ich habe mich doch recht bald in meinem Wettkampftempo eingefunden, auch wenn ich dafür wirklich heftig auf die Bremse treten musste.

Mitte der zweiten Runde kamen dann von einer Sekunde auf die nächste wieder Seitenstiche. Nicht so heftig wie ich das schon anderwo erlebte, aber doch so, dass ich das Tempo etwas rausnehmen musste. Um das Problem wieder in Griff zu bekommen hab ich bei zwei Verpflegungstellen erstmal keine weitere Flüssigkeit zugeführt. Die Seitenstiche gingen dann nach einer halben Runde wieder, aber ich habe dann gemerkt, dass die Akkus jetzt langsam leer werden. Also habe ich begonnen, an den Verpfelgungstellen immer wieder ein paar Meter zu gehen, um ordentlich Cola und Iso tanken zu können. Ab diesem Zeitpunkt war der Marathon ein Eiertanz zwischen Seitenstechen und Energie zuführen. Die Kilometerzeiten wurden dann zwar wieder besser, aber das geplante Zeitziel von 9:45h war nicht mehr zu erreichen. In der letzten Runde habe ich dann ständig gerechnet, ob es wenigstens noch für eine Sub10 Zeit reicht. Wenigstens dieses Ziel konnte ich dann noch kontroliert erreichen. Wie heiß es beim Laufen wirklich war, hab ich eigentlich erst hinterher realisiert. Während des Rennens hat die Kühlung mit Wasser und Schwämmen ganz gut funktioniert.

Fazit

Die Organisation der Veranstalltung ist schon wirklich gigantisch und mir fällt da wenig ein, was man noch verbessern könnte. Dass die Radstrecke 5km länger war finde ich zwar ärgerlich, weil der Wettkampf so schwer mit anderen vergleichbar ist, aber die Bedingungen waren aufgrund des Neoverbots und des heißen Wetters eh außergewöhnlich. Mit meiner Zeit von 9:58h bin ich zwar nicht unzufrieden, aber auch nicht sonderlich glücklich. Ich hatte mir schon etwas mehr vorgenommen. Aber immerhin bin ich mit diesem Ergebnis in der Gesamtwert gut 100 Plätze weiter vorne als bei meiner letzten Teilnahme, was ja schon auf eine Verbesserung schließen lässt. Mit der Endzeit vom Schwimmen bin ich gar nicht zufrieden – da muss ich einfach nochmal investieren. Die Entwicklung auf dem Rad sehe ich als ganz positiv an. Ich konnte im Schnitt 20 Watt mehr treten als vor 2 Jahren. Beim Laufen hätten die Beine meine geplante Laufzeit denke ich hergegeben, aber es war wieder mal das Problem mit den Seitenstichen, das eine bessere Performance vereitelt hat. Mein Ziel von einer Zeit um 9:30h bleibt mir somit erhalten. Ob ich es in Frankfurt umsetze steht im Moment noch in den Sternen, aber eins steht fest: Heute ist nicht alle Tage – ich komm wieder – keine Frage! Ganz besonders bedanken möchte ich mich noch bei allen, die mich auf der Strecke unterstützt haben: Ingesamt waren wieder mehr wie 20 Leute dabei. Danke Sabrina, Winfried, Maria, Markus, Krisi, Johanna, Peter, Bernd, Thomas, Rebecca, Elke, Bruno, Steffi, Brian, Norbert, Werner, Liesel, Conny, Kerstin, Oli, Christiane, Tino, Steffen, Julia und Olaf. Danke für die tolle Unterstützung auf der Strecke! Die vielen Bilder muss ich die nächsten Tage erst noch einsammeln und stelle sie dann hier online.